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Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet.

Zur Jahreslosung 2016 aus Jesaja 66, 13

An einem Wochenende für Männer zum Thema „Glück“ sitzen wir am Abend zusammen und erzählen vom kleinen und großen Glück unseres Lebens. Walter spricht mit leiser Stimme. Immer wieder macht er eine Pause, Tränen stehen ihm in den Augen. „Wenn ich die vielen Flüchtlinge in der Stadt sehe, dann muss ich immer an unsere Flucht denken... die ich als Kind mitgemacht habe... damals aus Hinterpommern. Wir fünf Kinder, meine Mutter und eine Großmutter war auch noch dabei... Wir haben soviel Schlimmes erlebt. Das mag ich gar nicht erzählen... Und unsere Mutter hat uns durchgebracht. Bis hierher. Sie ist immer für uns da gewesen... Ein großes Glück.“
 „Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter trös­tet.“ So sagt Gott zu sei­nen Menschen. Der Prophet Je­sa­ja hat diese Worte aufge­schrieben für Menschen, die nach Krieg und Besatz­ung aus ihrer Heimat ver­schleppt worden waren und nun im Exil leben mus­sten. Ihre Heimat lag in Trümmern. Irgendwann würden sie vielleicht zurückkehren, aber dann würde nichts mehr so sein, wie sie es aus den Erzählungen der Eltern kannten. Zu diesen Menschen sagt Gott: „Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet.“ Worte, die Hoffnung und Liebe atmen. Jesaja erzählt, wie es wieder sein wird: Jerusalem wird eine Stadt voller Leben sein. Menschen kehren heim, Kinderlärm in den Gassen. Es wird eine Stadt sein, „in der ihr euch an der Fülle und Herrlichkeit labt“, „in der ihr getragen werdet, wie auf den Knien gehalten. Ich will euch trösten!“
Ich will euch trösten! So wie deine Mutter dagewesen ist, wenn du gefallen warst oder erschöpft aus der Schule kamst, wenn du Angst hattest oder krank im Bett lagst. Sie war da, oft ohne Fragen, ohne viele Worte. Bei ihr warst du geborgen, kam dein Atem zu Ruhe. Da war der Schmerz weniger pochend, die Wut schwand, Tapferkeit machte Tränen Platz, die Angst fiel ab. Geborgen bei ihr konntest du neu auf dein Leben schauen, Worte finden und wieder lächeln. Und Walter würde noch ergänzen: „Weil sie da war, konnten wir über­leben.“
 „Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet.“ Auch wenn du vielleicht zu den Menschen gehörst, die ein überschattetes Bild von der eigenen Mutter haben, so traue doch der Zusage Gottes, dass er dich liebevoll ansieht, ganz ohne Fragen. Dass er dich tragen und halten will, damit du Kraft sammeln kannst und den Blick bekommst, um neu ins Leben zu finden. Traue der Zusage Gottes, und er wird dir Menschen zur Seite stellen, die dich spüren lassen: Du kannst auf dein Leben schauen, auf Gelingen und Scheitern, du kannst schauen und findest Klarheit, ohne beschämt zu werden. Traue dieser Zusage Gottes, sie ist eine Einladung: Gib etwas von dieser Liebe und diesem Trost an andere weiter, lass dich an die Seite eines Anderen stellen.
Mütterlicher Trost“- das kann auch ganz handfest geschehen. Vor einigen Jahren wurde ich in ein Dorf meiner damaligen Gemeinde gerufen: In der Dunkelheit eines späten Novembernachmittags saß an der Bushaltestelle ein junger Mann, der unter seiner Kapuze wenig Vertrauen erweckend aussah. Offensichtlich hatte er keinen Ort, zu dem er fahren konnte. Einige Nachbarn sagten, er habe versucht, ins unbewohnte Pfarrhaus einzudringen.
Einige Frauen und ich nahmen ihn mit in den Gemeinderaum des Pfarrhauses. Da war Licht und ein wenig Wärme. Er hat dann erzählt, dass er bei einem Kumpel in der Nachbarschaft herausgeflogen sei und nun nicht mehr wisse, wohin er gehen könnte. Geld, um nach Schwerin zu kommen, hatte er nicht, auch keine Wohnung. André, so hieß der junge Mann, erzählte von seinem Leben. Immer wieder fragten die Frauen nach. Sie sagten deutlich ihre Meinung über die Art von „Kumpel“ mit denen André sich eingelassen hatte. Zugleich überlegten sie, wie es nun für ihn weitergehen könnte.
Als Stunden später ein Polizeiauto kam, um André mit nach Schwerin zu nehmen, war zwischen den Frauen und ihm ein besonderes Ver­hältnis entstanden. Gute Wünsche begleiteten André, als er ins Auto stieg. Aus dem unheimlichen Mann von der Haltestelle, dem Ein­brecher, war ein Junge geworden, der ihr Sohn hätte sein können.
 „Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet.“ Ein Wort Gottes, das Hoffnung und Liebe atmet. Es lädt uns ein, unsere Trost - Geschichten zu erzählen. Es ist in dieser Zeit so wichtig, dass wir einander erinnern, wie wunderbar es ist, getröstet ins Leben zu gehen.
Volkmar Seyffert

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